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Ein
experimenteller Zufall erweiterte das Anwendungsgebiet der Lichttherapie um
ein anderes Störungsbild, den Alkoholismus. Der Streßforscher Irving Geller
setzte Versuchsratten jeweils unterschiedlichen Arten von Streß aus, um zu
erreichen, daß sie Alkohol tranken. Die Tiere bevorzugten jedoch unter allen
Bedingungen eindeutig Wasser. Überraschenderweise galt dies aber nicht für
die Wochenenden; an diesen Tagen kam es nämlich zu regelrechten
"Trinkexzessen" bei den Ratten. Der verblüffte Geller überprüfte die
Versuchseinrichtung und entdeckte einen Deffekt in der automatischen
Zeitschaltuhr der Beleuchtung: die Tiere saßen am Wochenende im Dunkeln
(Geller, 1971).
Tatsächlich gibt es inzwischen auch einige Untersuchungen über vermehrten
Alkoholkonsum in Abhängigkeit von Dunkelheit bei Menschen. Es wurden
mehrfach jahreszeitliche Schwankungen im Alkoholkonsum beschrieben. So
steigt er in Norwegen während der lichtlosen Zeit der Polarnächte stark an (Kiester,
1981). Epidemiologische Studien maßen eine erhöhte Inanspruchnahme
ambulanter Therapieeinrichtungen durch Alkoholabhängige in den Wintermonaten
(Goff, McGrath & Pitzutelli, 1988). Selbst bei SAD-Patienten wurde von
vermehrtem Alkoholmißbrauch berichtet (Hellekson, 1987). Entweder bekämpften
die SAD-Patienten ihre Winterdepression mit Alkohol, oder ihr
Kohlenhydrat-Heißhunger führte zu verstärktem Alkoholkonsum.
All diese Befunde führten nun zur Erprobung chronobiologischer Einflußnahme
durch Lichttherapie. Ziel war in erster Linie eine Minderung der
Begleitsymptome des Alkoholismus und seines Entzuges. Depressionen,
Ängstlichkeit, Appetit- und Schlafstörungen bei Alkoholikern ließen sich
wirklich durch Licht vermindern (Yahia, Alpert, Deltito, Moline, McGrath &
Filosa, 1989). Auch im akuten Alkoholentzug (durchschnittliche
Blutalkoholkonzentration bei Aufnahme: 1.9 Promille) verbesserten sich durch
die kombinierte Gabe eines Psychopharmakons (Meprobamat) und Licht die
Leistungs-, Auffassungs- und Konzentrationsfähigkeiten und verschlechterten
sich nach Absetzen der Lichttherapie wieder (Dietzel, Saletu, Veit, Birsak,
Bach, Gruber & Marx, 1989). Selbst ganz ohne Psychopharmakon steigerte
Lichttherapie in einer Studie Vigilanz, Stimmung und Antrieb im akuten
Alkoholentzug (Röpke, 1993). Vor allem aber wurde auch Schlafbeginn und
-erhalt bei den Alkoholikern ab der dritten Entzugsnacht normalisiert, so
daß Lichttherapie den Rückfallgrund "Schlafstörungen" möglicherweise
abzumildern verspricht.
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